Neueste Artikel

Ja, wir sind Zwillinge!

Ja, wir sind Zwillinge!

Hä? Warum machst du dir nicht auch einen Zopf wie deine Schwester?
Hä? Warum hat sie nicht auch ein Kind?
Hä? Warum studiert ihr nicht an der gleichen Uni?
Häääää? Verstehe ich nicht !
MUSST DU AUCH NICHT!

Wir kennen die verschiedensten Fragen bezüglich des Zwillingsdaseins. Und wir beantworten sie auch gerne. Aber bei manchen Fragen, ja bei manchen Fragen ziehen wir gerne das unbeliebte aber bequeme „DARUM“.
Nicht weil wir unhöflich sind und nicht antworten wollen. Nein. Manchmal liegt es entweder daran, dass die Frage so absurd ist, dass wir sie garnicht verstehen, unser Gegenüber vor dem Fragen das Denken vergessen hat, oder….. ganz einfach, weil man uns verletzen will. Fragen beantworten, dass machen wir fast immer und das machen wir auch gerne. Manchmal würden wir uns einfach wünschen, dass man uns mehr als zwei eigenständige Individuen wahrnimmt und weniger als ein biologisches Phänomen.

Zwillinge- Fluch oder Segen?

Ja, wir sind Zwillinge. Wir hatten nicht die Wahl und wir wurden auch nicht gefragt. Niemand hat uns nach unserer Meinung gefragt. Unsere Eltern wurden im Übrigen auch nicht gefragt. Das Haus war gerade genau so umgebaut, dass ein zweites Kind kommen konnte. EIN Kind. Ja, und plötzlich kamen dann doch noch weitere ZWEI. Es ist auch kein Geheimnis, dass unsere Eltern es sich zunächst anders gewünscht hätten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die häufigste Frage, die wir gestellt bekommen, immernoch ist: „Wen von euch Beiden wollten sie denn ursprünglich?“
Aber hey, so war es. Wir waren da und keiner von uns wurde mehr oder weniger geliebt. Das wäre ja auch noch schöner!
Und so hatten wir UNS. Wir kamen auf die Welt. Gemeinsam. Ein großes Geschenk und eine große Last zu gleich. Ein Geschenk, weil wir von nun an immer uns hatten, nie alleine sein würden. Eine Last, weil von Sekunde Eins klar war, dass nun ein großer Kampf beginnt. Ein Kampf um Individualität, ein Kampf um Gleichberechtigung, ein Kampf um Einzigartigkeit und ein Kampf mit dem Ziel als eigenständige Person wahrgenommen zu werden.
Ob wir rückblickend lieber keine Zwillinge wären? JA! Wir wären lieber nur Geschwister. Das mag den ein oder anderen sicherlich verwundern. Harmonieren wir doch so gut. Und ja, so ist es auch. Heute. Aber der Weg bis dahin war schwer. Sehr schwer. Und der ständige Kampf des Herausstellens der individuellen Persönlichkeit, die jeder von uns hat, wird uns unser Leben lang begleiten.
ABER- ob Zwillinge, Geschwister oder Freunde- Wir haben uns so unendlich lieb!

Zwillinge = Seelenverwandtschaft?

Immer wieder werden wir gefragt, ob wir denn auch spüren, wenn es dem anderen nicht gut geht? Also auch dann, wenn uns hunderte oder sogar tausende Kilometer trennen. Also.…. was sollen wir da sagen? Wir würden sagen, wir haben die gleichen intuitiven Gefühle wie Viele da draußen. Denn Viele spüren, wenn es einem lieben und vertrauten Menschen nicht gut geht. Und wir denken, so ist es auch bei uns. Aber ob es bei uns nochmal anders oder stärker ist, weil wir Zwillinge sind?- Wir denken eher nein! Es ist bei uns doch nicht anders als bei guten Freundinnen, Geschwistern oder Paaren.
Geht es dem anderen schlecht, so leidet man mit. Und so ist es bei uns wirklich. Geht es einem nicht so richtig gut, drückt auch beim anderen Zwilling der Schuh. So ist es, und so wird es wohl auch immer bleiben. Egal wie alt wir sind. Auch als schrumpelige Omis werden wir wohl Freud und Leid miteinander teilen.

Ob wir auch mal streiten? – Oh ja!

Ob wir uns manchmal streiten? Und wie! Ob es dann heiß zur Sache geht? Aber Hallo!
Also, wenn wir streiten, müssen wir offen zugeben, ist es keine kleine Meinungsverschiedenheit oder ein zu lautes Wort, ne……wir würden es eher als Atomkrieg mit Stimmverlust bezeichnen.
Ob wir da gerade vielleicht etwas übertreiben? Eher nicht ….!
Mal ganz ehrlich, nicht selten sitzen wir da nach einem Streit, ach was sag ich, wir liegen uns nach einem Streit in den Armen und lachen. Ja wir lachen, weil wir manchmal selbst nicht glauben können, wie sehr wir gerade eskaliert sind. Und wir kommen auch jedes Mal zu dem Entschluss, dass dieses Verhalten und diese Überreaktion nicht normal und unnötig war.
Aber hey! Schwestern streiten halt und Zwillinge wohl einfach noch mehr. Und wir, einfach noch viel viel mehr. Und wir stehen dazu.So sind wir.

Die Zwillingsschwester als „Papaersatz“

Fast fünf Jahre sind es nun. Fünf Jahre sind wir nun ein Team. – Ein Elternteam- Gewachsen an all den Hürden und Steinen, die auf unserem Weg mit Lea lagen.
Es war nicht leicht. Nein, es war echt hart!
Die Vorurteile… „das arme Kind wächst ohne Papa auf. Da fehlt doch was…“
Wie oft musste ich mir das als Mutter anhören. Irgendwann fängt man sogar an, sich selbst diese Frage zu stellen. Ist sie glücklich? Reiche ich? Was ist eigentlich Familie?  Und nach und nach kam ich zu meinen Antworten:
Ich allein muss Lea nicht reichen. Denn da steht eine Familie an meiner Seite. An Leas Seite. Allen voran meine Zwillingsschwester, und zwar ab dem Moment von Leas Geburt. Sie wich in all den schweren Stunden nicht von uns. Nie!  Sie harrte Stunden und Tage neben Leas Inkubator auf der Intensivstation aus, wenn ich zu schwach war. Sie litt mit mir und weinte mit mir und sie strahlte mit mir, als wir endlich nach Hause durften. Sie jubelte mit mir, als Lea ihre ersten Schritte machte. Und ja, sie stritt auch mit mir, wenn wir uns über Lea nicht einig sind.
Ich weiß sie ist nicht „Papa“. Aber sie hat die Rolle eingenommen- nur mit einer anderen Bezeichnung: “ Tante Lari „


Aber eine Tante mit Papa-Qualitäten. Eine Tante, die ihren Job verdammt gut macht!
Also fehlt Lea wirklich was? Oder fehlt nur die Bezeichnung Papa? Aber hat denn jedes Kind so eine wundervolle Tante? Nein? Na fehlt diesem armen Kind dann nicht etwas um glücklich aufzuwachsen?
Wichtig ist doch nur, dass es sich aufgenommen und geborgen fühlt.
Wir haben uns gefunden. Wir sind herangewachsen zu einer Familie. Etwas anders, aber wunderbar. So wie wir sind. Und nicht anders!

 

 

 

 

Über Uns

Wir sind Lara (26), Nina(26) und Lea(4).
Wir sind Zwillinge mit Kind. Hört sich komisch an, ist aber so.
Lea ist die leibliche Tochter von Nina und somit Laras Nichte. Seitdem wir von Lea wissen, sind wir ein Team. Wir wohnen zusammen und „erziehen“ zusammen. Kurz- wir sind Eltern für Lea. Als Zwillingsschwestern klappt das genauso gut wie auch bei Vater-Mutter. Sehr gut sogar. Von Anfang an bekamen wir zu spüren, dass man unserer Art Familie zu leben eben nicht offen gegenüber tritt. Dies nahmen wir zum Anlass, mit unserem Familienmodell nach Außen zu treten und uns stark zu machen. Laut zu werden und für jede andere Form der Familie zu kämpfen. So entstand dann auch unser Hashtag #wirwerdenlaut .

Neben dem Elternsein studieren wir beide Soziale Arbeit. Während Lara sich schon in wenigen Wochen „Sozialpädagogin“ nennen darf, hat Nina noch einen etwas längeren Weg vor sich.
Durch Leas doch eher dramatische Geburt und vielen Krankenhausaufenthalten, lag die Priorität erst einmal woanders.

Weil uns durch Leas Start ins Leben schnell bewusst wurde, wie wichtig für ein Kind bedingungslose Liebe, Geborgenheit und Sicherheit, auch in Bezug auf einen Genesungsprozess ist, haben wir uns dann entschieden, Bereitschaftspflegefamilie zu werden. Natürlich hat uns auch unsere berufliche Ausbildung in dieser Entscheidung bestärkt.